Die gute soziale Lage steht einer Notübernachtung für wohnungslose Familien nicht entgegen


Viel Streit gibt es derzeit um die geplante Unterkunft für wohnungslose Familien in einem leerstehenden Frohnauer Hotel. Dabei zeigt ein Vergleich mit der Wohnungslosenunterkunft im Diakoniezentrum in Heiligensee, dass ein solches Konzept einwandfrei funktionieren kann.

Dort finden wohnungslose Frauen und Kinder seit 2019 einen der 44 Schlafplätze. Die Einrichtung leistet neben einer Rund-um-die-Uhr-Grundversorgung auch unterschiedliche Beratungsangebote. Ihr Ziel ist es, den Familien in Zusammenarbeit mit dem bezirklichen Sozialdienst eine dauerhafte Bleibe zu vermitteln. Alkohol, Drogen und Gewalt sind strengstens verboten und kommen auch im Alltag nur selten vor. Die Einrichtung ist gut in die Nachbarschaft integriert und leistet eine hervorragende Arbeit. Soziale Konflikte mit der Nachbarschaft kommen fast nie vor. „Wenn mich eine Familie nicht gerade nach dem richtigen Weg fragt, nehme ich die Einrichtung überhaupt nicht wahr“, berichtet auch eine Anwohnerin. „Drogenkonsum und Alkohol seien einfach kein Thema dieser Mütter.“ Eine ehemalige Mitarbeiterin der Einrichtung schilderte als Problem, dass in der Vergangenheit nicht aufgenommene Väter unter naheliegenden Brücken geschlafen hätten. „Auch das komme aber heute nicht mehr vor.“ Zu einer ähnlichen Lageeinschätzung kommt auch Uwe Brockhausen, Stadtrat für Soziales und Gesundheit: „Aus der Nachbarschaft sind keine Beschwerden im Kontext der Einrichtung bekannt.“ Umgekehrt gibt es ein großes soziales Engagement der Nachbarschaft, etwa durch Sachspenden. Einen Grund für die ruhige Lage liegt auch in der Natur einer solchen Einrichtung: Anders als in Notübernachtungen für erwachsene Männer, bleiben Familien häufig länger in den Einrichtungen, sodass es weniger Fluktuation gibt. Auch Alkohol, Drogen und Gewalt spielen bei Familieneinrichtungen eine deutlich kleinere Rolle. Gemessen an den Heiligenseer Erfahrungen bin ich zuversichtlich, dass sich die geplante Unterkunft für wohnungslose Familien gut in Frohnau einfügen wird und sich die anfänglichen Sorgen schnell legen werden. Die gute soziale Lage steht einer Notübernachtung für wohnungslose Familien jedenfalls nicht entgegen.

RAZ Die Dorfzeitung