Eine faire Perspektive für Nostalgic-Art und die Reinickendorfer Wirtschaft


“So geht man mit einem Berliner Markenunternehmen nicht um.” SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach fordert vom Bezirk Reinickendorf, bei der Entwicklung des Standorts der German University of Cairo (GUC) die Interessen bestehender Unternehmen stärker zu berücksichtigen. Bei einem Vor-Ort-Termin bei Nostalgic-Art in Tegel informierte ich mich mit Steffen Krach und Alexander Ewers über die Auswirkungen der geplanten Veränderungen auf das Unternehmen.

„Wir benötigen hier eine Lösung, ohne dass Nostalgic-Art dadurch in seiner Existenz und Entwicklung am Standort eingeschränkt wird. Unternehmen und Uni, beides muss gehen, weil beides für Reinickendorf wichtig ist“, so Krach.

Hintergrund ist die geplante Erweiterung der German University in Cairo (GUC) auf dem unmittelbar angrenzenden Gelände. Die damit verbundenen baulichen Veränderungen betreffen auch die bisherige Zufahrt zum Betriebsgelände von Nostalgic-Art und könnten insbesondere die Anlieferung mit großen Lkw erheblich erschweren.

Nostalgic-Art hat die historische Kanonenhalle am Borsigturm zwischen 2007 und 2009 aufwendig saniert und zu seinem heutigen Hauptsitz entwickelt. Der Bezirk hat die Sanierung im Jahr 2010 als Vorzeigeprojekt mit dem Bauherrenpreis prämiert.

In der ehemaligen Industriehalle, in der einst Lokomotiven für Borsig gefertigt wurden, beschäftigt das Unternehmen heute rund 50 Mitarbeiter und produziert hochwertige Blechschilder, die von Berlin aus weltweit vertrieben werden.

„Ich habe mich ganz bewusst für den Standort Reinickendorf und die Kanonenhalle entschieden und über viele Jahre erheblich in den Erhalt und die Entwicklung dieses historischen Industriestandorts investiert. Wir wollen bleiben, weiter investieren und Arbeitsplätze sichern. Wir erwarten aber, dass bei der Veränderung unseres direkten Umfelds auch unsere berechtigten Interessen und die Zukunft unseres Unternehmens berücksichtigt werden“, sagt Geschäftsführer Teja Engel.

Aus meiner Sicht geht es dabei längst nicht mehr nur um die Frage einer einzelnen Zufahrt. Der Vorgang wirft grundsätzlich die Frage auf, welchen Stellenwert bestehende Unternehmen und Arbeitsplätze bei der Entwicklung von Gewerbestandorten in Reinickendorf haben. Die Bezirksbürgermeisterin muss sich fragen lassen, ob sie die Interessen des gesamten Bezirks im Blick hat oder ob bei diesem Projekt die Nähe zur GUC zu einer einseitigen Betrachtung führt. Es kann nicht sein, dass ein erfolgreiches Reinickendorfer Unternehmen mit seinen Arbeitsplätzen die Konsequenzen einer Entwicklung tragen soll, auf die es keinen Einfluss hat“, so Krach. Warum eine Anpassung der Pläne nicht möglich sein sollte, finde ich unverständlich. Scheinbar fehlt der Bezirksbürgermeisterin der politische Wille, ein Nebeneinander von GUC und Nostalgic Art zu ermöglichen. Die Folgen der bezirklichen Planung dürfen nicht allein auf dem Rücken des Unternehmens und seiner Beschäftigten ausgetragen werden. Gemeinsam mit Steffen Krach habe ich deshalb erneute Gespräche eingefordert, die eine einvernehmliche Lösung ermöglichen.

Die Dorfzeitung RAZ